Die unsichtbare Sucht der Frauen: Leben ohne Pillen?
claudia | 8 Dezember 2011 | 08:47Rund eine Million Frauen in Deutschland sind medikamentenabhängig. Oft ohne es selbst zu ahnen, unbemerkt von der Umwelt. Was die Ursachen? Welche Wege aus der Abhängigkeit gibt es?
Von den rund 1,4 bis 1,9 Millionen medikamentensüchtigen Deutschen sind etwa 70 Prozent weiblich. Das schätzt die Drogenbeauftragten der Bundesregierung. Frauen nehmen hauptsächlich dämpfende Medikamente, wie Schlaf Schmerz oder Beruhigungsmittel aus der Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine. Seltener werden Abhängigkeiten von Aufputschmitteln oder Stimulanzien, wie z.B. Ritalin, beobachtet. Diese betreffen vor allem jüngere Frauen.
Aber in jüngster Zeit sind die eingenommenen Mengen an Psychostimulanzien geradezu sprunghaft angestiegen, z.B. Ephedrin, Amphetaminil oder Modafinil. Die Leistungsgesellschaft erfordert eine erhöhte Konzentration und um bei Stress das Wohlbefinden zu steigern verführt das zur Einnahme derartiger Drogen. Diese wirken wie Seelenstreichler, denn sie unterdrücken Hungergefühle, Schlafbedürfnis und schenken künstliche Glückshormone und spenden so Trost. Das alles geschieht unbemerkt vor den Augen der Umwelt, denn Erkennungsmerkmale wie Stiche im Arm, alkoholisierter Atem oder ein verändertes Aussehen fehlen – eine unsichtbare Sucht.
Was hilft? Die Optimale Therapie: Beste Ergebnisse bei einer Medikamentensucht erzielt man mit der kognitiven Verhaltenstherapie. Sie vermittelt über mehrere Monate neue Strategien für den Umgang mit Belastungen, trainiert Entspannung und Angstbewältigung. Etwa 50 Prozent der Patientinnen werden dadurch geheilt. In 35 Prozent der Fälle wird eine Verringerung der Medikamentendosis erreicht.
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